UV-Filter in der Photographie – Sinn oder Unsinn?

Kennt Ihr das, Ihr kauft ein neues Objektiv und der freundliche Fachverkäufer bietet Euch zugleich einen UV-Filter als Schutz für selbiges an? Nun steht Ihr also da, habt Euch lange auf das neue Objektiv gefreut, alle Optionen durchdacht und ausgerechnet bei dieser Frage bringt Euch der Verkäufer ins Straucheln.

UV-Filter
UV-Filter auf einem Ultra-Weitwinkelobjektiv

Selbstverständlich hat das linke Auge die Preise im Regal schon längst erspäht. Das hat auch der Verkäufer erkannt. Den erschrockenen Blick auf 79 Euro für einen 77 mm UV-Filter kontert er gekonnt mit der Hausmarke für günstige 39 Euro. Ein Deal oder? An diesem Punkt solltet Ihr wirklich ablehnen! Mit großer Sicherheit wird diese Entscheidung die falsche sein. Nicht jeder Fotohändler fährt dieses Programm, dennoch habe ich diese Situation so oder so ähnlich schon oft erleben dürfen.

Gehen wir das Thema einmal sachlich an. Was ist eigentlich das Problem an Frontlinsenkratzern? Good news first, Kratzer auf der Frontlinse werden vom optischen System nicht scharf abgebildet. D.h. Ihr werdet sie nicht als Kratzer oder Linien im Bild erkennen können. Das Problem ist mehr oder weniger, dass sie das einfallende Licht streuen. Demnach führen Kratzer eher zu einem Kontrastverlust oder zur so genannten „Flauheit“ eines Objektives. Der Qualitätsverlust wird eher schleichend sein. Ein Kratzer macht nicht viel, zwei auch nicht, drei schon ein wenig mehr, vier tiefe Kratzer sind schlimmer als zehn flache und so weiter und so fort. Ein tatsächlicher Vorher/ Nachher Vergleich wird schwierig anzustellen sein. Profis schwärzen tiefe Kratzer und mindern so die Streuwirkung. Einige meinen, es würde sich an der Abbildungsqualität nicht viel verändert, für andere ist es eine Katastrophe. Aber muss es überhaupt so weit kommen? Dafür gibt es doch UV-Filter oder nicht? Es gibt viele Argumente für oder gegen solche Filter. Ich habe die wichtigsten einmal zusammengetragen:

  • der Schutz vor UV-Strahlung
  • der mechanischen Schutz vor Fremdkörpern
  • der Schutz der Frontlinse vor Kratzern und Schlieren
  • die Steigerung der Flare-Anfälligkeit eines Objektives
  • eine Verschlechterung des optischen Systems im Allgemeinen und
  • die Gegenlichtblende kann alles besser und ist zudem noch nützlich.

Diese sechs Argumente bereite ich im Anschluss für Euch auf und schildere am Ende meine Sicht der Dinge.

Argument Nr. 1 – Der Schutz vor UV-Strahlung

UV-Licht schließt spektral an den hochfrequenten Teil des sichtbaren Lichtes an und ist hochenergetisch. Bezüglich der Sperrwirkung ist der UV-Filter definitiv ein Relikt der Vergangenheit. Zu analogen Zeiten hat das UV-Licht den Film belichtet. Schlußendlich führte dies zu Kontrastverlusten oder zu „Nebel“ im Bild. Die UV-Filter trugen daher gern die Bezeichnung 0-Haze Filter. Heute sperrt spätestens das Abdeckglas des Sensors den UV-Bereich. Ein separater UV-Filter ist obsolet. Ein klarer Punkt gegen den UV-Filter.

Argument Nr. 2 – Der Schutz vor Fremdkörpern

Hier geht es um den Schutz vor Fremdkörpern, die unser Hobby ständig torpedieren. Der UV-Filter soll dabei eine Beschädigung der Frontlinse abwehren. Nun ja, auch dieses Argument spricht nicht wirklich für die Verwendung eines solchen Filters. Bringt ein Gegenstand das Glas des Filters zu Bruch, wird es die Frontlinsenvergütung mit sich reißen. In dem Fall bleibt die Frontlinse vielleicht in einem Stück, brauchbar ist sie danach aber nicht mehr. Anschließende Meditationsphasen mit Edding, Isopropanol und Tupfer bleiben Kosmetik. Einen positiv Effekt gibt es nur, wenn der Filter nicht zu Bruch geht. Aber mal ehrlich, wie oft rennt Ihr mit Eurer Frontlinse gegen Stangen, Stöcke und Türklinken, bzw. wie oft stoßt Ihr beim zoomen am Objekt Eurer Begierde an? Verschwindet hingegen die teure Kamera schon mal ohne Lenscap im Rucksack (versehentlich natürlich), kann der UV-Filter schon einen gewissen Schutz bieten. Auf den häufig verwendeten Tipp, die Gegenlichtblende würde das besser erledigen, komme ich später noch zurück. Für mich irgendwie ein Patt, also 1:2 gegen den UV-Filter.

Argument Nr. 3 – Der Frontlinsenschutz vor Kratzern und Schlieren

Wer schon einmal eine verunreinigte Frontlinse reinigen durfte, der weiß um die Schwierigkeit mit den entstehenden Schlieren. Mal ganz davon abgesehen, dass schon das kleinste Sandkorn zu feinen Kratzern in der Vergütung führt. Schmutz habt Ihr schneller auf der Frontlinse als Euch lieb ist. In einer Stunde gehe ich für Langzeitbelichtungen an die Küste. Ihr glaubt nicht, welche Reste der feine Sprühnebel des Meeres hinterlässt und dafür müsst Ihr nicht einmal ans Wasser gehen. Das passiert nur an der See? Da habe ich andere Erfahrungen gemacht. Mir passiert das auch an Wasserfällen in den Alpen oder bei close up‘s von Dampflockzylindern in Aktion. Greift Ihr jetzt zum Lappen, der sich heute Mikrofasertuch nennt, verschönert Ihr Eure Frontlinse auf Dauer nicht. Klar, den UV-Filter auch nicht aber der ist wechselbar und ungleich günstiger als ein Frontlinsentausch. Gleichstand 2:2

Argument Nr. 4 – Die Steigerung der Flare-Anfälligkeit eines Objektives

Flares sind Abbildungen von Lichtreflektionen innerhalb eines Linsensystems. Um diese zu vermeiden, werden Glasoberflächen vergütet (beschichtet). Durch diese Maßnahme lässt sich der Reflektionsgrad einer Glasoberfläche von etwa 4 % auf bis zu 0,1 % senken. Das ist besonders bei Gegenlichtaufnahmen entscheidend. Neben den Flares führt das zurückgestreute Licht zu Kontrastverlusten im Bild. Das seht Ihr und das ist ein schwer wiegendes Argument. Was kann man dagegen tun und was bedeutet das? Zu erst einmal bedeutet dies, dass ein Filter die Flareanfälligkeit eines Objektives maximal halten, keines Falls aber verbessern kann. Zum anderen ruiniert Ihr mit nichtvergüteten oder einfachvergüteten Filtern Eure Aufnahmen im Gegenlicht. Kurios ist, dass ich schon Filter gesehen habe, bei denen die Außenseite vergütet war, die Innenseite hingegen nicht (Innenseite ist die Glasfläche des Filters, welche der Frontlinse zugewandt ist). Was für ein Bärendienst! Verliert Ihr durch eine fehlende Vergütung der Außenseite lediglich 4% des einfallenden Lichtes, erzeugen fehlende Innenseitenvergütungen jene Flares und Kontrastabfälle die wir nicht haben wollen. 2:3 gegen den Filter, selbst wenn er optimal vergütet ist.

Argument Nr. 5 – Die Verschlechterung des optischen Systems im Allgemeinen

Ja, rein theoretisch betrachtet kann auch eine planparallele Scheibe die optische Abbildungsleistung eines Objektives negativ beeinflussen. Dies hängt damit zusammen, dass zwangsläufig nicht alle Lichtstrahlen im gleichen Winkel auf die Oberfläche des Filters treffen. Ohne dies jetzt wirklich nachrechnen zu wollen, habe ich einen solchen Effekt in der Praxis noch nicht beobachten können. Randunschärfen sind eher auf die Objektivkonstruktion zurückzuführen. Eklatant wird es bei nicht planen Filtergläsern, die zudem eine Verkippung zur optischen Achse aufweisen. Hier dürfen wir ein ortsabhängiges Wild-West zwischen Ein- und Austrittswinkel erleben. Bei hochwertigen Filtern ist von solchen Zuständen nicht auszugehen. Ebenso wird es keine signifikante Verschiebung des Farbspektrums durch minderwertige Gläser geben. Insgesamt sind diese Argumente kaum praxisnah und würden die Verwendung von Filtern im Grundsatz ausschließen. Zwischenstand 3:4.

Argument Nr. 6 – Die Gegenlichtblende kann alles besser und ist zudem noch nützlich

Über die Nützlichkeit einer Gegenlichtblende müssen wir ebenso wenig diskutieren, wie über die Tatsache, daß ein x-cm langer Kragen um eine Frontlinse vor Feindkontakt schützt. Habt Ihr ein Zoomobjektiv mit ausfahrbarem Tubus, kann ich vor dauerhaft montierten Gegenlichtblenden dennoch nur warnen. Ich habe mir durch diese Methode bereits ein Objektiv ruiniert. Steckt Ihr die Kamera mit Gegenlichtblende in eine Phototasche oder einen Photorucksack, können seitlich einwirkende Kräfte die Zoomstifte schnell verschleißen. Möglich wird dies durch die Hebelwirkung der aufgesteckten Gegenlichtblende auf die Tubuseinheit. Ihr merkt das spätestens, wenn der Tubus anfängt zu wackeln und sich unschöne Schärfeverläufe im Bild abzeichnen. Eine Reparatur ist möglich, erreicht aber schnell den Zeitwert günstiger Objektive. Ich montiere eine Gegenlichtblende nur wenn ich sie benötige. Die Gegenlichtblende ist meiner Meinung nach nur bei Festbrennweiten oder Zoomobjetiven ohne ausfahrbarem Tubus ein empfehlenswerter Schutz. Endstand 4:5 gegen den Filter.

Zwischenfazit

Die aufgeführten Argumente zeigen, weshalb es kein klares Ja oder Nein geben kann. Die Gewichtung der einzelnen Argumente ist nicht für jeden gleich. Es ist ein wenig eine Typfrage. Was wiegt mehr? Ein eventueller Verfall der optischen Qualität eines Objektives oder der Schmerz über einen möglichen Flare in einem vielleicht wichtigen Bild? Und wie sieht das nach 10 Jahren Benutzung aus? Habt Ihr das Objektiv dann überhaupt noch? Ersetzt Ihr den Filter auch wenn er verkratzt ist? Die Entscheidung ist letztendlich kein Fußballspiel und ein Stand von 4:5 kein universelles Ergebnis.

Was mache ich?

Ich verwende UV-Filter. Ich schätze es sehr, den Filter unterwegs schnell reinigen zu können. Ich muss also nicht überlegen, ob ich das Salz des Küstensprühnebels vor der nächsten Aufnahme noch schnell vom Filter wische. Ich kann das einfach machen! Am Ende des Tages werde ich den Filter abschrauben und zur Not nasschemisch reinigen.

UV-Filter Schmutz
Oberfläche eines UV-Filters nach einem Shooting am Meer

Gehe ich mal ins Gegenlicht, schraube ich den Filter nach Bedarf ab. Das macht etwa 3 % meiner Aufnahmen aus.

Welche UV-Filter verwende ich und auf was müsst Ihr achten?

Um es vorweg zu nehmen: Es gibt sicher unzählige, empfehlenswerte Marken. Ich verwende sehr gern die UV(c) Filter von Hoya in der MRC Ausführung (Mehrschichtvergütung). Einen 77 mm Filter kann man hier in exzellenter Qualität für unter 20 Euro erwerben [Stand 06/2019]. Das ist der Reiz. Ich ersetze den Filter bedenkenlos, wenn er verkratzt ist und weiß dennoch um seine Qualität. Bezüglich der Bauform verwende ich am liebsten die normale Ausführung und nicht die Slim-Version. In dem längeren Frontgewinde rastet der Lenscap hier optimal ein. Vignettierungsprobleme habe ich selbst an Ultra-Weitwinkelobjektiven (11mm an APS-C) nicht. Ich verlinke ich Euch am Ende des Textes die Filter in den gängigen Größen bei Amazon.

Achtet beim Kauf anderer Filter auf jeden Fall auf eine sehr gute Mehrschichtvergütung der Innenseite des Filters und auf eine solide, mechanische Einfassung. Das Glas darf keinesfalls Spiel aufweisen! Hände weg von billiger Qualität und Hausmarken. Hier wisst Ihr nicht was Ihr kauft! Mal Hand aufs Herz: Lohnt es sich bei dem Preis der excellenten Hoya-HMC-Filter noch weiter zu sparen?

Ich danke Euch fürs Vorbeischauen und wünsche Euch alle Zeit gut Licht!

Cheers,
David

Nachfolgend die Amazon-Links zu den gängigen Filtergrößen:

37,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
39,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
40,5 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
43,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
46,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
49,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
52,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
55,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
58,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
62,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
67,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
72,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
77,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*
82,0 mm Hoya HMC UV(c) Filter*

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