Sensorgröße und Auflösungsvermögen – Scharf, Schärfer, Vollformat?

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Der etwas reißerische Titel lässt es bereits vermuten, heute geht es um ein Brennpunktthema. Bildet eine Vollformatkamera wirklich schärfer und detailreicher ab als eine APS-C Kamera? Oft wird dies behauptet, die Meinungen dazu gehen allerdings ebenso oft auseinander. Was ist dran an der Behauptung? Das möchte ich heute mit Euch beleuchten. Dabei soll es um einen Vergleich auf Augenhöhe gehen. Wir wollen sehen, was 24 MP an beiden Formaten leisten können und gehen auf die Schärfe- und Auflösungsleistung ein.

Starten wir direkt mit folgenden Kapireln:

  • Ein Gedankenexperiment über das Auflösungsvermögen von APS-C und Vollformatsensoren

  • Das Kriterium der Bildschärfe

  • Auflösungsvermögen von Vollformat- und APS-C Sensoren an Festbrennweiten

  • Auflösungsvermögen von Vollformat- und APS-C Sensoren an Zoomobjektiven

  • Ein Praxisbeispiel mit APS-C

  • Mein persönliches Fazit

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei dem Team von www.dxomark.com für die zahlreichen Messdaten bedanken. Sie liegen den Diagrammen dieses Artikels zugrunde.

Ein Gedankenexperiment über das Auflösungsvermögen von APS-C und Vollformatsensoren

Für den Einstieg bietet sich ein kleines, physikalisches Gedankenexperiment zu Sensorgrößen und ihrem Auflösungsvermögen an. Wollen wir uns dem Thema Auflösungsvermögen einer Kamera nähern, braucht es zwangsläufig Rahmenbedingungen. Für unser Gedankenexperiment gehen wir von zwei Kameras der 24 MP Klasse aus und vergleichen diese. Kamera Nr.1 beherbergt einen 24 MP Vollformatsensor, während Kamera Nr.2 einen 24 MP APS-C Sensor verwendet. Nominell besitzen beide die gleiche Auflösung und unterscheiden sich technisch nicht*. Der Sensor unserer Vollformatkamera bringt es auf eine stolze Fläche von 864 mm², während sich unser APS-C Pendant mit 370 mm² begnügen muss. Es leuchtet ein, dass der Einzelpixel des APS-C Sensors kleiner ausfallen muss als jener des Vollformatsensors. Der Pixelpitch – oder zu deutsch Pixelabstand – beschreibt diesen Sachverhalt. Mit etwa 4 µm ist er beim APS-C Sensor um ca. 33 % geringer als beim Vollformatsensors (6 µm). Wir merken uns beide Werte, denn sie werden in unserem Gedankenexperiment noch eine wichtige Rolle spielen.

Stellen wir uns nun die Frage, wann die Sensorauflösung beider Modelle zu 100 % genutzt, bzw. dargestellt werden kann. Dieses Glück tritt ein, sobald das Objektiv benachbarte Pixel stets mit unterschiedlichen Informationen versorgen kann. Kaum ein reales Motiv vermag dies zu leisten aber es beschreibt ein Extrem. Objektivtestbilder bilden dieses Extrem ab. In einer Abfolge aus immer dichter werdenden Linien verdeutlichen sie den Punkt, ab dem der Sensor keine weißen und schwarzen Linien mehr unterscheiden kann. Dieser Punkt korreliert schließlich mit einer Auflösung, welche in Linienpaaren pro Millimeter angegeben wird.

 

Testmuster zur lateralen Auflösungsbestimmung [Quelle: www.wikipedia.org]

Im Idealfall bedient ein Linienpaar, bestehend aus einer schwarzen und einer weißen Linie, jeweils eine benachbarte Pixelreihe unseres Sensors. Entsprechend „sehen“ unsere Pixel die „echte“ Information Schwarz oder Weiß. Bezogen auf den Pixelabstand, muss der minimale Abstand zweier schwarzer Linien im Sensorbild einer APS-C Kamera 8 µm und im Sensorbild der Vollformatkamera 12 µm betragen. Nun benutzen wir für beide Kameras ein identisches Vollformatobjektiv mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 und einer festen Brennweite. Konkret beschreibt der Abbildungsmaßstab die Größenverhältnisse zwischen den Linienabständen auf dem Papier, verglichen mit denen auf dem Sensor. Bei einem Verhältnis von 1:1 sind sie folgerichtig identisch. 12 µm auf dem Papier entsprechen 12 µm auf dem Vollformatsensor! Bei unserer APS-C Kamera verlängert der so genannte Crop-Faktor die Brennweite unseres Objektives um den Faktor 1,5. Entsprechend müssen wir mit unserer Kamera auch die Distanz zum Papier vergrößern, um „das gleiche“ Bild auf dem APS-C Sensor zu erhalten. In der Folge erhöht sich auch der Abbildungsmaßstab unseres Vollformatobjektives von 1:1 auf 1:1,5 am APS-C Sensor. Die Linien des Papiers (12 µm Abstand) werden auf unserem APS-C Sensor nun im Abstand von 8 µm dargestellt. Am Rande sei erwähnt, dass die Brennweitenverlängerung durch den Crop-Faktor auch den Bildwinkel des Objektives ändert. Fälschlicher Weise wird das gern als “Vollformatlook” bezeichnet, was aber nicht sinnvoll ist, da es sich nicht mehr um das selbe Bild handelt.

Jetzt kommt der entscheidende Punkt: Ist unser Objektiv in der Lage, einen Linienabstand von 8 µm auf der Sensorebene zu realisieren, kann es auch keinen Auflösungsunterschied zwischen Vollformat- und APS-C Sensor geben. Die Detailwiedergabe beider Kameras ist identisch! Beide Sensoren können vollumfänglich mit Informationen versorgt werden. Anders ist die Lage, sobald unser Objektiv sensorseitig für einen minimalen Linienabstand von 12 µm ausgelegt“ worden ist. In diesem Szenario wird unser 24 MP Vollformatsensor auch weiterhin seine 24 MP effektiv umsetzen können. Der APS-C Sensor verliert unter dessen 33,3 % seiner Auflösung in X- oder Y-Richtung, welche die laterale Auflösung beschreibt. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass es sich um ein Gedankenexperiment handelt. Das Potential des Signalprozessors spielt ebenso eine Rolle wie die verwendete Blende … . Wir blenden das der Einfachheit halber aus.

Summa summarum ist die Kernaussage: Das Objektiv macht die Musik und nicht das Sensorformat! Für unseren APS-C Sensor benötigen wir Objektive mit hohem Auflösungsvermögen. Bei Verwendung eines identischen Objektives und gleicher Anzahl an MP kann der Unterschied zwischen Vollformat und APS-C Format kaum größer als 33,3 % in der Linienauflösung sein. Aus technischer Sicht macht es absolut Sinn, Objektive speziell an die Anforderungen von APS-C Sensoren anzupassen. Die Grenzen setzt – wie so oft – die Wirtschaftlichkeit. Damit jetzt nicht der Eindruck entsteht, APS-C Optiken wären aufwendiger als Vollformatoptiken sei erwähnt, dass erstere deutlich weniger Glas in der Produktion benötigen.

Das Kriterium der Bildschärfe

Schauen wir uns die Bildschärfe an, so müssen wir uns klar machen, was wir damit überhaupt meinen. Zunächst klingt dies verwirrend, wir werden aber gleich sehen, weshalb die Schärfe kein absolutes Kriterium ist. Zur Beurteilung der Schärfe eines Bildes wird gern die 1:1 Ansicht herangezogen. In dieser Ansicht zeigt jedes unserer Monitorpixel exakt ein Pixel des Sensors. Nikon bietet für diese Art der Schärfekontrolle beispielsweise einen Schnellzugriff an der Kamera. Mit einem Tastendruck wird deren Display in diesen Modus versetzt. Persönlich nutze ich das sehr häufig, sehe ich doch sofort, ob der Fokus eines Bildes sitzt. Was liegt also näher, als genau diese Methode zur Beurteilung der Schärfeleistung einer Kamera zu benutzen? Kurz gesagt: Nichts!

An dieser Stelle führen wir unser Gedankenexperiment ein wenig weiter. Es ist der Tag X gekommen und ein 96 MP Vollformatsensor erblickt das Licht der Welt. Klar, er ist sofort gekauft und wir vergleichen ihn mit unserem alten 24 MP Vollformatsensor in der 1:1 Ansicht. Zum Einsatz kommt unser oben genanntes Objektiv. Es kann sensorseitig Linien mit einem minimalen Abstand von 12 µm auflösen. Ohne großes Rechnen wird klar, nicht jeder Sensorpixel des 96 MP Vollformatsensors kann mit differenzierten Informationen versorgt werden. Entsprechend erscheint das „Bild“ unseres 96 MP Sensors in der 1:1 Ansicht unseres Monitors „unschärfer“ als jenes des 24 MP Sensors. Aber ist das praxisrelevant? Mit Sicherheit nicht!

Wird das Bild im gleichen Ausgabeformat am Monitor betrachtet, kann der 96 MP Vollformatsensor mindestens ein gleich scharfes Bild wiedergeben. Das Objektiv versorgt zwar nicht jeden Pixel des Sensors mit differenzierten Informationen, wohl aber jeden des 4K Displays (4096×2304). Unser neuer Sensor stellt dafür 12000×8000 Pixel bereit! Schielen wir zum 24 MP Sensor, muss sich dieser mit 6000×4000 Pixeln „geschlagen“ geben. Da auch die kamerainternen Bildprozessoren eine Rolle spielen, wird das Bild des 96 MP Vollformatsensors am Monitor definitiv schärfer sein.

Zusammenfassend macht es wenig Sinn, mit 1:1 Ansichten die Schärfe unterschiedlich großer oder unterschiedlich dicht gepackter Sensoren zu vergleichen. Lasst Euch nicht dazu verleiten! Zielführend ist ein Vergleich im gleichen Ausgabeformat.

Dieses Konzept verfolgt das Team von www.dxomark.com. Sie geben für eine Kamera-Objektiv-Kombination einen P-Mpix Wert an. Er beschreibt die effektiv wahrgenommene Auflösung bzw. den praktischen Wert, bei dem einzelne Pixel noch differenzierbar sind.

Nun sind wir mit allem bewaffnet, um auch die folgenden Kapitel zu überstehen.

Auflösungsvermögen von Vollformat- und APS-C Sensoren an Festbrennweiten

Starten wir in die erste Runde und vergleichen, was ein 24 MP Vollformatsensor und ein 24 MP APS-C Sensor praktisch mit Festbrennweiten zu leisten vermag. Da ich im Team Schwarz-Gelb unterwegs bin, schauen wir uns im www.dxomark.com eine Nikon D750 als Pate für den Vollformatsensor und eine Nikon D7100 als Pate für den APS-C Sensor an. Beides sind ältere Modelle, entstammen aber der gleichen Zeit und spiegeln die Unterschiede auch heute noch gut wieder. Wir kombinieren beide Kameras mit den jeweils schärfsten Festbrennweiten ihres Systems (F-Bajonett). In Kombination mit den Kameras bieten diese Objektive den höchsten P-Mpix Wert. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie auch die „besten“ Objektive sind. Ein gutes Objektiv muss deutlich mehr Leisten als nur „Schärfe“, weshalb ich auch auf jedwede Nennung der Optiken verzichte. In anderen Kamerasystemen stehen natürlich andere Objektive zur Verfügung, weshalb der Vergleich für Eurer Team anders – aber sicher nicht grundlegend anders – ausfallen kann.

Die nachstehende Grafik zeigt uns die Ergebnisse für den 24 MP Vollformatsensor (schwarze Kurve) und den 24 MP APS-C Sensor (blaue Kurve). Auf der X-Achse ist die Brennweite für den APS-C Sensor bereits in das Kleinbildformat umgerechnet, der Crop-Faktor von 1.5 berücksichtigt. Links habe ich den jeweils erreichten Auflösungswert in P-Mpix abgetragen, während die rechte Y-Achse den prozentualen, lateralen Auflösungsunterschied zwischen Vollformat und APS-C Format zeigt (lila Kurve). Zur Orientierung: Die einzelnen Brennweitenstützpunkte für das Vollformat sind 14 mm, 20 mm, 24 mm, 35 mm, 50 mm, 85 mm, 105 mm, 150 mm, 200 mm, 300 mm, 400 mm und 600 mm.

FB-vs-Aufl-fix
Effektive Auflösung eines 24 MP Vollformat- und 24 MP APS-C Sensors mit hochauflösenden Festbrennweiten für das F-Bajonett (Stand 2020, schwarze und blaue Kurve) mit dem prozentualen Unterschied zwischen beiden Sensoren in der lateralen Auflösung (lila Kurve)

Schauen wir uns die lila Kurve an, so können wir den theoretisch gefundenen Maximalunterschied von ca. 30 % in der lateralen Auflösung wiederfinden. Über den gesamten Brennweitenbereich stellt er einen Spitzenwert bei etwa 200 mm Brennweite dar. Die Kurve birgt aber vom Ultraweitwinkelbereich (14 mm) bis in den Supertelebereich (600 mm) noch weit interessantere Details zum Vorschein.

Bei 14 mm Kleinbildbrennweite muss der Nikon APS-C Sensor schlicht passen. Er macht mit seinem Crop-Faktor von 1.5 das 14 mm Objektiv zu einem 21 mm Kleinbildobjektiv. Zwar gibt es für das Nikon F-System auch kürzere APS-C Objektive, diese sind dann aber Fischaugenobjektive. Nikon-Landschaftsfotografen, die sich ausschließlich für Festbrennweiten interessieren, sind hier am Ende des Artikels angelangt … . Schauen wir uns den Unterschied zwischen Vollformat und APS-C Format im weiteren Verlauf an, existieren immer wieder Punkte, an denen de facto gar kein Unterschied zwischen beiden Formaten existiert. Dies ist beispielsweise bei 21 mm und 150 mm der Fall. Im Schnitt beträgt der laterale Auflösungsunterschied zwischen Vollformat und APS-C Format 18,5 %. Ob das entscheidend ist oder die Grundlage für eine Systementscheidung sein sollte, sehen wir gleich.

Neben der Frage, wie hoch unsere 24 MP Sensoren im Voll- und APS-C Format auflösen, existiert noch eine Weitere: Was müssen wir dafür zahlen? Im folgenden Diagramm habe ich die aktuellen Marktpreise zusammengetragen. In Schwarz seht Ihr die Preise für das Vollformat, in Blau jene für das APS-C Format. Erstaunlich ist hierbei, dass alle Objektive des Vergleiches Objektive für das Vollformat sind! Ich habe kein einziges APS-C Festbrennweitenobjektiv gefunden, welches in der  effektiven Auflösungsleistung das jeweils beste Vollformatobjektiv am APS-C Sensor schlagen kann. Das heißt nicht, dass es am APS-C Format nicht bessere Preis-Leistungs-Verhältnisse gibt**. Wer aber die höchste Auflösung erreichen möchte, muss sich zwangsläufig mit Vollformatobjektiven eindecken. Entsprechend sind die brennweitenabhängigen Preisunterschiede dem Crop-Faktor des APS-C Sensors geschuldet.

FB-vs-Preis-KB
Preise der Festbrennweitenobjektive, aufgetragen über der Auflösung im Kleinbildformat (für APS-C ist der Crop-Faktor von 1,5 bereits berücksichtigt)

In der Gesamtheit sind die Investitionen im Weitwinkel- und Standardbereich anspruchsvoll und tendieren im Telebereich ins Astronomische. Rechnen wir einen realistischen Objektivpark zusammen, liegen wir locker im fünfstelligen Bereich! Über derartige Investitionen muss ich mir nicht ansatzweise Gedanken machen. Wer dies aber muss, wird sicher mit meinem Fazit übereinstimmen:

Der Preis für hochauflösende Festbrennweiten ist enorm. Niemand wird aus Kostengründen ausschließlich auf einen APS-C Sensor setzen, die Ersparnis ist im Vergleich zu den Objektivpreisen schlicht vernachlässigbar. Das Vollformat ist hier Pflicht! Dennoch macht die Verwendung einer APS-C Kamera zu einer Vollformatkamera Sinn, lassen sich so die teuren Objektive doppelt nutzen. Gerade im Supertelebereich erleichtert ein 600 mm Festbrennweitenobjektiv höchster Güte die Fotografenkasse erheblich.

Schauen wir uns dies im Supertelebereich konkret an, so wird ein 400 mm Kleinbildobjektiv zu einem 600 mm Objektiv am APS-C Sensor. Vergleichen wir die Unterschiede in der lateralen Auflösung, bringt uns die Kombination 24 MP Vollformatsensor + 600 mm Objektiv um etwa 10 % gegenüber der Lösung 24 MP APS-C Sensor + 400 mm Objektiv voran. Ob dieser Unterschied akzeptabel ist oder eine zusätzliche Investition nötig macht, muss die entsprechende Zielgruppe für sich entscheiden. Ist das Vollformat – APS-C Gespann eine Option, kann mit nur 3 bis 4 wirklich guten Festbrennweiten ein schöner Bereich abgedeckt werden. Geschickt aufeinander abgestimmt, kann der laterale Auflösungsverlust an der APS-C Kamera unter 20 % gehalten werden. Ob ein Telekonverter hier eine Alternative wäre steht ebenso auf einem anderen Blatt wie die Möglichkeit, selten genutzte Brennweiten durch preiswertere Objektive zu realisieren. Es stellt sich ohnehin die Frage, ob bei derart teuren Objektiven nicht gleich das Ende der Megapixelfahnenstange im Vollformatsektor anvisiert wird.

Auflösungsvermögen von Vollformat- und APS-C Sensoren an Zoomobjektiven

Kommen wir zu den Zoomobjektiven. Gleich vorweg: Dieses Kapitel verspricht einiges an Spannung. Einerseits gibt es hochperformante Zoomobjektive für APS-C Sensoren und andererseits ist der Einsatz von Zoomobjektiven allgemein deutlich weiter verbreitet als der von Festbrennweiten. Des Spoilern genug, gehen wir der Reihe nach vor. Abermals wählen wir die hochauflösenden Zoomobjektive im jeweiligen Brennweitenbereich für unsere beiden 24 MP Kameras. Um Überlappungen unter den Brennweitenbereichen zu vermeiden, werden die Stützstellen aus der Festbrennweitenbetrachtungen übernommen (14 mm, 20 mm, 24 mm, 35 mm, 50 mm, 85 mm, 105 mm, 150 mm, 200 mm, 300 mm und 400 mm). Der Crop-Faktor des APS-C Sensors ist in den Werten bereits enthalten. Die einzelnen Hersteller möchte ich auch in diesem Fall nicht nennen. Wird die effektiv erreichte Sensorauflösung unserer beiden Kameras über der Brennweite aufgetragen, ergibt sich folgendes Bild:

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Effektive Auflösung eines 24 MP Vollformat- und 24 MP APS-C Sensors mit hochauflösenden Zoomobjektiven für das F-Bajonett (Stand 2020, schwarze und blaue Kurve) mit dem prozentualen Unterschied zwischen beiden Sensorformaten in der lateralen Auflösung (lila Kurve)

Erfreulich ist: Unsere APS-C Kamera ist im Ultraweitwinkelbereich nicht mehr blank, bereits ab 14 mm Kleinbildbrennweite (8 mm reale Brennweite) sind Zoomobjektive verfügbar. Der Unterschied in der lateralen Auflösung zwischen Voll- und APS-C Format ist mit 50 % allerdings auch entsprechend hoch. Bei 15,5 mm Kleinbildbrennweite sinkt er bereits auf 33 %. Hier werden die Schwierigkeiten bei der Konstruktion von Objektiven mit sehr großen Öffnungswinkeln sichtbar. Unterdessen gibt es im Standard- und leichten Telebereich (35 mm – 105 mm Kleinbildbrennweite) keinen signifikanten Unterschied in den effektiv erreichten, lateralen Auflösung beider Sensorformate (9 %). Auch der Tele- und Supertelebereich von 150 mm bis 400 mm Kleinbildbrennweite zeigt mit 9 % bis 18 % lateralem Auflösungsunterschied keine nennenswerten Überraschungen. Bleibt zu diskutieren, ob sich dies auch im Anschaffungspreis niederschlägt.

Zoom-vs-Preis-KB
Preise der Festbrennweitenobjektive, aufgetragen über der Auflösung im Kleinbildformat (für APS-C ist der Crop-Faktor von 1,5 bereits berücksichtigt)

Treten im Ultraweitwinkelbereich – bei 14 mm Kleinbildbrennweite – die größten Unterschiede im lateralen Auflösungsvermögen beider Formate auf, so sind auch die Preisunterschiede in diesem Bereich beträchtlich. Den 1300 Euro Investitionskosten am Vollformat stehen 600 Euro am APS-C Format gegenüber. Reicht ein Objektiv mit 15,5 mm Anfangsbrennweite am APS-C Sensor aus, werden statt 600 Euro etwa 380 Euro am APC Format verlangt. Der Preisunterschied zum Vollformatgegenspieler beläuft sich dann auf knapp 1000 Euro bei 33 % geringerer, lateraler Auflösung. Selbst wenn wir uns in die „zweite“ Reihe der Vollformatobjektive begebt, stehen 960 Euro Investitionskosten den 380 Euro am APS-C Format gegenüber. Der laterale Auflösungsunterschied beläuft sich dann auf 28 % (18,7 P-MPix vs. 11,4 P-MPix). Betrachten wir den Standardbereich von 24 mm – 105 mm Kleinbildbrennweite fällt auf, dass die Preisunterschiede zwischen Voll- und APS-C Format schrumpfen. Müssen wir mit etwa 850 Euro für ein exzellentes Objektiv am Vollformat rechnen, sind es am APS-C Format ca. 650 Euro. Der Preisdifferenz von 30 % steht einem lateralem Auflösungsgewinn von 9 % gegenüber. Ab 150 mm Kleinbildbrennweite endet heute das Angebot an exzellenten Zoomobjektiven für das APS-C Format und wir müssen auf Vollformatlinsen zurückgreifen. Hier greift das Argument aus dem Kapitel zu den Festbrennweiten: Ein zweiter APS-C Bodys spart den Kauf eines teuren Objektives für das Vollformat am langen Ende.

Insgesamt hat das APS-C Format eine definierte Schwäche im Ultraweitwinkelbereich. Wer hier das Maximum an lateraler Auflösung erwartet, setzt auf das Vollformat! Im Standardbereich spielt der laterale Auflösungsunterschied beider Sensorformate keine Rolle,  im Telebereich fällt er mit maximal 18 % gering aus.

Zum Abschluss bleibt festzuhalten: Bis 150 mm Kleinbildbrennweite macht es keinen Sinn, den APS-C Sensor mit Zoomobjektiven des Vollformates zu beglücken. Im Heute und Jetzt gesellt sich zu einem höheren Preis ein Verlust an Bildqualität.

Ein Praxisbeispiel mit APS-C

Ich kann mir vorstellen, der ein oder andere Landschaftsfotograf steht jetzt mit weichen Knien vor seiner APS-C Ausrüstung. 33 bis 50 % Verlust an lateraler Auflösung für den Ultraweitwinkelbereich im APS-C Format, ich falle tot um! Nun bin ich selbst mit APS-C unterwegs und zeige Euch einmal, was meine praktischen Erfahrungen im postulierten „Problembereich“ sind. Das anschließende Bild entstand mit einem 11-16 mm Ultraweitwinkelobjektiv (15,5-24 mm Kleinbildbrennweite).

 

Free Fallen - Ausschnitt

Free Fallen – Das rote Viereck markiert die Stelle eines 1:1 Ausschnittes.
Nikon D7200 bei 11 mm / f/8 / 1,6s-10s / ISO 100

Wir werden uns das rot markierte Viereck im folgenden Bild in der 1:1 Ansicht ansehen. Und wir sind ketzerisch … ! Es wird keinen Bereich im scharfen Zentrum des Bildes gewählt, wir greifen bewusst auf den problembehafteten Randbereich nahe einer Ecke zurück. Gerade hier lässt die Schärfeleistung von Ultraweitwinkelobjektiven gern nach. Schauen wir uns das Ergebnis einmal genauer an.

 

Markierter Bereich Free Fallen
Ausschnitt des Bildes Free Fallen
Nikon D7200 bei 11 mm / f/8 / 1,6s-10s / ISO 100

Was fällt auf? Ja es gibt natürlich untscharfe Bereiche. Aber wo kommen die her? Gerade einige Blätter erscheinen verschwommen. Nun, das Bild ist mit bis zu 10s belichtet worden, so dass die geringste Bewegung der Blätter Unschärfe ins Bild bringt. Im Gesamtbild sorgt das für eine schöne Dynamik, in der 1:1 Ansicht fällt es auf. Prinzipiell taugt die 1:1 Ansicht zwar nicht zur Beurteilung der Gesamtschärfe, wir sehen aber das Verhältnis aus Unschärfe durch die Blattbewegung und Unschärfe in der Detailzeichnung. Im Unterschied zur sichtbaren Unschärfe durch die Blattbewegung, muss die Unschärfe in der Detailzeichnung auf hohem Niveau diskutiert werden. In der Bildbearbeitung habe ich dem Randbereich sogar noch einen weicheren Touch gegeben, um den Blick des Betrachters zu lenken und die Details nicht so hart wirken zu lassen. Die Schärfe des Objektives limitiert mein Bild nicht.

Häufig sind es die Aufnahmebedingungen, der Fokus, die Arbeitsblende und das Stativ, welche Einfluss auf die Detailwidergabe nehmen. Erst wenn alles zu 100 % sitzt, können Unterschiede zwischen APS-C und Vollformat entschlüsselt werden.

Ich hatte am Ulmer Münster sogar einmal die Situation, dass ein befreundeter Fotograf feststellte, der Fokus seiner D810 (Vollformat) könne nicht richtig sitzen. Seine Bilder würden im Vergleich zu meinen so unscharf wirken. Ich musste Ihm Recht geben. Also, der Puls kann sich wieder senken, es gibt keinen Grund tot umzufallen.

Mein persönliches Fazit

Die gesamte Betrachtung dieses Artikels bezieht sich auf den Vergleich von 24 MP APS-C und 24 MP Vollformatsensoren aus dem Hause Nikon. Monolithisch wurde dabei der Fokus auf die maximal erzielbare, laterale Auflösung gelegt und ein Blick auf den veranschlagten Preis geworfen. Abgesehen vom Auflösungsvermögen existieren mannigfaltige Faktoren, welche individuell für oder gegen das ein oder andere Format sprechen.

Für ein Arbeiten auf höchstem Auflösungsniveau mit Festbrennweiten führt kein Weg am Vollformat vorbei. Dies bedingt nicht das Sensorformat, es bedingen die verfügbaren Objektive. Wer viel Geld in hochauflösende Festbrennweiten für das Vollformat investiert, wird deren Potential kaum auf das APS-C Format beschränken. Leider haben etliche Originalhersteller das APS-C Format selten mit großer Aufmerksamkeit bedacht. Qualitativ hochwertige – und speziell angepassten Zoomlösungen – stehen meist von Drittherstellern bereit. Folglich differenziert sich die Welt beim Einsatz von Zoomobjektiven. Während im Standardbrennweitenbereich kein praxisrelevanter Unterschied im lateralen Auflösungsvermögen beider Formate existiert, ist er im Tele- und Supertelebereich gering und im Ultraweitwinkelbereich signifikant. In der Praxis können selbst diese Unterschiede schnell hinter reale Faktoren treten. Preislich müssen hochauflösende Ultraweitwinkelzoomobjektive für das Vollformat teuren erkauft werden. Im Supertelebereich können, durch die parallele Verwendung einer APS-C Kamera, Mehrkosten sinnvoll vermeiden werden.

Jeder, der bereits eine Umfangreiche und gute APS-C Ausrüstung besitzt, sollte sich genau überlegen, ob ein Umstieg ins Vollformat zielführend ist. Bei gleicher Sensorauflösung kann der gewünschte AHA-Effekt schnell ausbleiben und viel Geld ausgegeben sein. Wer unbelastet vor einer Entscheidung steht, es wirklich ernst meint und auch höhere Investitionen nicht scheut, macht mit dem Vollformat definitiv nichts falsch. Das System bietet bei Nikon ein höheres Ausbaupotential und der aktuelle Einstiegspreis für eine D610/ D750 ist schlicht sensationell! Gerade für das F-Bajonett gibt es einen reich gedeckten Objektivtisch und attraktive Angebote aus der dritten und vierten Reihe. Wie diese im Vergleich zu den besten APS-C Optiken abschneiden, wäre vielleicht ein Thema für den nächsten Artikel … .

Bei all der technischen Diskussion: Denkt bitte immer daran, Fotos entstehen in entscheidenden Punkten durch den Fotografen und nicht das Format! Lasst Euch nicht von Whitepapern, Messwerten und Marketing verunsichern. Die beste Kamera ist die, die Ihr in der Hand habt und sie kann phantastisches leisten!

Auf Instagram ist ein Post für Kommentare offen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr vorbeischaut und Euer Feedback hinterlasst.

In diesem Sinne: Danke fürs Vorbeischauen und macht einfach nur gute Fotos!

Cheers, David von photonenblende.de

 

* Die Art der Signalauslesung, Signalverstärkung und Signalverarbeitung ist identisch.

** Ein Pixel des Monitors entspricht einem Pixel des Sensors

*** Sie ist gleichzustellen mit einem Verlust an lateralem Auflösungsvermögen.

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